Regionaler Einkauf – wird es wirklich gelebt?

Foto: Der neue Drogerie-Markt wird bald eröffnet.

Heute möchte ich unsere neue Geschäftsnachbarin vorstellen: Honorate Fraas. Sie hat schon sehr lange einen gut gehenden Kiosk auf der anderen Straßenseite und wird am 10.April 2014 einen Drogeriemarkt eröffnen. Für „nicht-Visbeker“ muss ich kurz erklären, was dahinter steckt. Nach der Schlecker-Pleite stand der renovierte Verkaufsraum des Drogeriekonzerns lange leer. (vorher gab es zeitgleich zwei Schleckermärkte in Visbek) Drogerieartikel konnten die Visbeker also nur im Supermarkt kaufen oder in einer anderen Ortschaft. Der Zustand war nicht gut. Alle Bemühungen den Leerstand zu beleben schlugen fehl.
Jetzt haben sich die Ereignisse überschlagen. Das Unternehmerherz von Frau Fraas hat immer kräftiger gepocht: „Eine Drogerie fehlt im Ort – ich werde diese Lücke schließen und übernehme den 180 qm Leerstand!“ In etwa 800m Entfernung wird ein neuer Edeka-Markt (Neukauf) gebaut. Die Eröffnung wird kurz nach Ostern sein. Der alte Edeka-Markt wird später umgebaut. Hier haben sich die Besitzer und die Gemeinde um die Firma „Rossmann“ bemüht, die auch zugesagt hat. Die „700 qm Rossmann“ werden zusammen mit ALDI und dem Neukauf eine Einheit bilden.
Über diese Entwicklung wurde auch in der Lokalzeitung mehrfach berichtet, damit die Visbeker auf gut informiert sind. Wie es in einem kleinen Ort üblich ist, wird über Rossmann und der neuen Drogerie viel gesprochen, philosophiert und geurteilt. David gegen Goliath – das kann doch nicht gut gehen! Solche Sätze höre ich täglich: „Die Frau Fraas wird das nie schaffen!“ – „Die wird schnell wieder zumachen!“ – „Die haben keine Chance!“ – „Welcher Konzern steckt denn dahinter?“ – „Rossmann ist doch viel billiger!“

Wir sind aber sehr froh, dass wieder „Action“ in die Goldenstedterstraße kommt. Wir begegnen die unerträgliche Vorverurteilung und antworten so: „Ihr wollt doch einen Markt im Ortkern!“ – „Sie hat sehr viel Mut – warum unterstützt ihr das nicht?“ – „Ist Regionalität nicht das, was ihr immer wollt?“ – „Sie zahlt Steuern in Visbek – dort wo ihr lebt!“ – „Ihr kennt doch Frau Fraas! Kennt ihr auch Herrn Rossmann?“ – „Wann bist du das letzte Mal in einem Drogeriemarkt gewesen, um so zu urteilen?“ – „Sie will Rossmann gar nicht die Stirn bieten – sie möchte etwas für uns Visbeker tun!“ – „Wartet doch erst einmal ab – gebt ihr doch eine Chance!“ – „Sie wird auch Arbeitsplätze für Eure Kinder schaffen!“ – „Warum schätzt ihr nur noch Konzerne?“ – „Denkt doch einmal an die ältern Leute – die werden froh über eine ortsnahen Einkaufsmöglichkeit sein!“ -  “Von dem Betrieb muss eine Familie leben!” …

Wir rufen ein herzliches „willkommen!“ zur anderen Straßenseite. Auf eine gute und innovative Zusammenarbeit. Synergien lassen sich bestimmt schaffen – erste Ideen liegen vor.  Wir freuen uns auf Euch!

3 Reaktionen zu “Regionaler Einkauf – wird es wirklich gelebt?”

  1. Martin Möller

    für Frau Fraas Alles Gute und ganz viele Ideen für die Veränderung und den Mut der Neueröffnung.

  2. Martin

    Hallo
    das kann durchaus klappen, wenn viele (alle) an einem Strang ziehen und den anonymen Läden good bye sagen. In Vegesack steht auch ein großer Markt fast leer, aber es gibt neue und alte Geschäfte (Tante Emma) die wieder aufblühen. Dort macht der Einkauf noch Spass.
    Ich wünsche der Honorate viel Glück und Erfolg

  3. Ludger Freese

    Freundlichkeit ist ein gutes Stichwort. Hier kann ein Inhabergeführtes Geschäft immer punkten. Weitere Möglichkeiten: persönliche Ansprache, Kunden mit Namen nennen, Kundenkarte, Waren ins Auto tragen (bei größerem Einkauf), Proben mitgeben, Zeit nehmen, übersichtliche Geschäftsräume, auch an Männer denken: Extrabteilung, spezielle Angebote, Kosmetikberater von Lieferfirmen einsetzen, Anrufmöglichkeit (bei Schlecker konnte man z.B. nicht anrufen), Öffnungszeiten deutlich machen, Synergien mit anderen Geschäften schaffen, die Lokalzeitung ins Geschäft holen (Bericht), Kosmetikabende anbieten, Beratungstage, Waren am Abend nach Hause bringen (Angebot), die „Drogerie-Smart“ um kleine Lieferungen sofort zu bringen, Modenschau im Geschäft, Schulen einladen zur Besichtigung, Familien mit Neugeborene besuchen (Windeln und Co), Aktionen des örtlichen Handels u. Gewerbevereins mitmachen, Aktionen im Ort mitmachen, Schützenfest beteiligen, Sozial einbinden, Aktiv im Social Media sein, Preislisten mit QR-Code, Parkplätze betreuen, Kunden eine Überraschung ans Auto hängen, Öffnungszeiten an den Kindergartenöffnungszeiten koppeln (Eltern können gleich einkaufen), an Medienereignisse andocken wie Fußball-WM etc., Kinder-Hygiene Tage einberufen, Dusch-Schulungen machen (Wasser und Shampoo einsparen. Wasserverband), Mütter zum Kaffee einladen (nur so), Vereine einen Sonderbons gewähren ….
    Es gibt noch viele weiter Aktionsmöglichkeiten…das war mal eine 30-Minuten Aktion von mir.

Einen Kommentar schreiben