Tendenz: weiter steigend!

Foto: Werden die Löcher im Käse noch größer?

Die Milchwirtschaft und die Käseproduktion haben eine sehr große Preiserhöhung durchgezogen. Um 1 kg Käse herzustellen, benötigt man 10 Liter Milch, was die Preissprünge beim Käse erklären. Der Rohstoff Milch ist und bleibt knapp, fehlende Milchmengen werden auf dem Weltmarkt und in Europa gekauft. Der Preis wird weiter steigen.
Wir müssen die Preise für Käse an unsere Kunden weitergeben. Wie auf dem Foto oben zu sehen ist, kommen vom Großhändler (fast täglich) solche Erhöhungen von 0,30 – 1,30 Euro je Kilo Käse. Der Sahnepreis hat sich um fast 70 Prozent erhöht. Tendenz: weiter steigend.
Von den Erhöhungen kommen beim Landwirt etwa 3 – 4 Cent je Liter Milch an!
Wo bleibt das Geld? Wer steckt sich die Taschen voll? Hat die Subventionspolitik völlig versagt? Müssen wir uns an Preisschwankungen wie bei den Tankstellen gewöhnen?

Preissteigerungen beim Fleisch werden schon bald auf uns zukommen. Viele Landwirte kämpfen schlicht ums Überleben. Die Preise für Futter und Energie sind dramatisch gestiegen. Die Preise werden in Kürze angepasst werden und (vielleicht) ähnliche Ausmaße wie in der Milchwirtschaft annehmen. Der Grund liegt auf der Hand: Viele Landwirte geben Ihre Produktion auf oder lassen Ihre Ställe leer stehen. Ein Betrieb mit 250 Sauen “erwirtschaftet” zur Zeit einen Verlust von 10.000.- Euro je Monat.
Schöne Aussichten!
In Deutschland sind Lebensmittel zu billig – eine „Preisanpassung“ nur weil die politischen Weichen falsch gestellt wurden, ist aber nicht der Weg in die Glückseligkeit!

P.S. Damit kein falscher Eindruck entsteht – hochwertige Lebensmittel sind Mittel zum Leben, die durchaus ihren Wert haben (müssen!). Die Landwirtschaft braucht dringend eine Preiserhöhung, um zu überleben.

Wie ist Ihre Meinung? Sind die Preissteigerungen gerechtfertig?

9 Reaktionen zu “Tendenz: weiter steigend!”

  1. Hans-Gerd Staschewski

    Ein schwieriges Thema. Grundsätzlich gilt, dass für eine qualitativ gute Arbeit, ein qualitativ gutes Produkt auch ein fairer Preis gezahlt werden muss. Doch was ist fair? Fair ist u.a., wenn ein regionaler Produzent von dem was er arbeitet auch leben kann. Allerdings bin ich nicht dafür zuständig jemanden zu finanzieren, der sein Geschäft nicht versteht.
    Betrachte ich das Problem aus einer anderen Perspektive, dann stellt sich für mich die Frage, wer eigentlich was von dem Geld erhält, dass ich für ein Produkt bezahlen muss. Wenn z.B. beim Landwirt 4 ct. ankommen, wer bekommt dann den Rest? Stecken die Molkereien den Überschuss ein, weil sie am Weltmarkt höhere Preise realisieren können? Zahlen sie ihren Mitarbeitern mehr?
    Vielleicht ist hier einmal das Thema Querdenken gefragt, um zu neuen Innovativen Lösungen zu kommen, in der es für alle Beteiligten zu einer WinWin Lösung kommt.

  2. joker

    Die Situation – besonders für die Ferkelerzeuger – ist wirklich sehr erst. Insofern wird es in jedem Fall zu steigenden Preisen kommen. Entweder stabilisieren sie (bald) die Betriebe oder sie kommen später aufgrund von Versorgungslücken. Dann allerdings freuen sich die Importeure.

  3. Ludger

    @Hans-Gerd,
    Deine Schilderung gefällt mir sehr gut. Besonders der Satz: “Allerdings bin ich nicht dafür zuständig jemanden zu finanzieren, der sein Geschäft nicht versteht.” – trifft das sehr gut.
    Der Markt wird aber von den “Großen” diktiert. Wenn die Herren “Alki und Liebel” einmal kräftig klatschen, wird eine andere Musik gespielt. Die Abhängigkeit ist erschreckend.

    @Joker,
    beim Ferkelmarkt ist es schon 30 Sekunden vor 12!!! Die Futterpreise graben hier die Gewinne voll ab. Das Futter hat sich durch die Biogasanlagen enorm verteuert. Eine weitere Erhöhung ist schon angekündigt. (Ende August)

  4. Hans-Gerd Staschewski

    Die Situation von Direktvermarktern, Hofläden und Verarbeitern aus unseren Netzwerken ist ähnlich kompliziert/bedrohlich. Bislang sind wir allerdings nicht über den Punkt einer Zustandsbeschreibung hinausgekommen. Vielleicht bietet es sich an, dass wir vielleicht zuerst einmal in einer kleinen Runde genüsslich mit diesem Thema auseinandersetzen. (Querdenken zum Thema beim Verzehr von teurer gewordenen Produkten wie Milch, Wurst und Käse)

  5. Manuel

    “Allerdings bin ich nicht dafür zuständig jemanden zu finanzieren, der sein Geschäft nicht versteht.”

    Schön und gut – aber darum geht es glaube ich gar nicht. Das Problem sind doch eher die EU-Subventionen, die paradoxerweise dafür sorgen, dass

    a) massive Überhänge produziert wurden/werden
    b) Die Waren im Inland zu teuer sind, und dadurch Importe hier günstiger verkauft werden können
    c) Die EU z.B. nach Afrika exportiert, wo sie wiederum günstiger als die einheimischen Produzenten sind…

    usw. Ausserdem haben wir uns das mit der Discounter-Mentalität auch zum Teil selbst kaputt gemacht. Denn warum können A, L, P, P, denn “Hüh!” sagen und wir machen alle “Hott!” ??? Klar, weil Sie eben als Großabnehmer auftreten können – schließlich rennen ja alle in die Läden.

    Nun, das ist sicher nur EIN Teil der Wahrheit… den Rest kann ich leider nicht beurteilen – da die Agrarwirtschaft nicht mein Fachgebiet ist ;-)

  6. Ludger

    @Manuel,
    der EINE Teil der Wahrheit ist in der Tat eine Ursache des Preisverfalls. Die Damen und Herren bei A,L,P,P verdrängen wo es geht und der Einzelhandel fällt zwischen den Rosten ins Bodenlose. Nur durch geschickte Nischenprodukte, Service und Persönlichkeit, können wir einige Stöcke querlegen und die Fall aufhalten.

    Die Subventionen waren noch nie gut. Dadurch entsteht immer eine Schieflage und andere müssen darunter leiden.

    @Hans-Gerd,
    von den Direktvermarktern habe ich gehört, dass sie auf Wochenmärkte gute Geschäfte machen. Nur in der Gemeinschaft mit anderen Vermarktern kann man überleben. Wer ganz alleine gegen die Windmühlen kämpfen möchte, wird Probleme bekommen.

  7. dirsch

    Nicht nur die Preise steigen. Der Verbrauer wird zunehmend durch “falsche” Bezeichnungen verunsichert. Hierzu eine Pressemeldung zum Thema: Milch soll Kuhmilch bleiben – Sojagetränke sind keine Milch. 2008 wird spannend.

  8. Ludger

    @Dirsch,
    haben Sie einen Link zu dieser Pressemeldung?
    Wie ist Ihre Einschätzung: Werden die Milchprodukte 2008 weiter steigen?

  9. Peter

    Ich denke, dass Milchpreise auch 2009 weiter steigen werden. Gab zwischendurch ja mal einen Abfall…..aber Tendenz steigend

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