Schließung von Schlachthöfen: “Lasst den Worten Taten folgen!”

Es macht mich immer sehr wütend und traurig zugleich, wenn ich die Schlagzeilen über Tierschutzverstöße lese. Wie jüngst der Schlachthof GK Oldenburg und der Schlachthof in Bad Iburg. Beide Betriebe wurden aus meiner Sicht völlig zu Recht geschlossen.

Tierschützer haben heimlich Filmaufnahmen gemacht, die sehr schreckliche Bilder von Tieren zeigten. (Videos möchte ich hier nicht zeigen!) Sie wurden mit Elektroschockern zur Schlachtung getrieben und dort nicht immer fachgerecht betäubt. Es kam vor, dass Tiere bei vollem Bewusstsein getötet wurden. Die Bilder sind schlimm und zeigen die Rohheit der Mitarbeiter, die scheinbar ohne Gewissen und Anstand die Tiere unnötigerweise quälen. Das jetzt die Überwachungsbehörden erst tätig werden, ist für mich genauso schlimm und verwerflich. Die EU-Betriebe werden sehr streng von den Veterinärbehörden und der Laves kontrolliert. Es macht jedoch so den Eindruck, dass hier die „Kleinstbetriebe“ viel strenger als die Großbetriebe geprüft werden. Warum sonst, gibt es gerade bei den größeren Schlachtbetrieben solch gravierende Ungereimtheiten (Oldenburg 90.000 Rinder im Jahr oder über 1700 Rinder jede Woche!)

Gerade beim Transport der Tiere, beim Abtrieb von den Fahrzeugen und bei der Betäubung werden die meisten und schlimmsten Fehler gemacht. Der Zeitdruck bei der Schlachtung steht weit über dem Wohl der Tiere. Hier zählen Stückzahlen über den wirtschaftlichen Erfolg des Schlachtbetriebs. Auch das Personal muss mit einem extrem billigen Stundenlohn entlohnt werden, weil es a) kein Fachpersonal mehr gibt und b) nur über Subunternehmer und deren Werksarbeiter für solche Aufgaben eingesetzt werden. Es verwundert mich immer sehr, wenn Geschäftsführer solcher Schlachtbetriebe dann plötzlich die Zusammenarbeit mit dem Subunternehmer aufkündigen und sie im Vorfeld nie etwas von solchen Vorfällen gewusst haben…! (Was machen solche Herrschaften eigentlich den ganzen Monat? Sitzen sie nur im warmen Büro und trinken Kaffee? Warum werden Vorfälle nicht von anderen Mitarbeitern gemeldet? Warum greift die Qualitätskontrolle nicht? Weshalb schauen auch Zulieferfirmen weg? Warum hat die Veterinärbehörde und die Laves nicht kontrolliert – obwohl sie in der gleichen Stadt ansässig sind? Kennen die Mitarbeiter die Tierschutz-Schlachtverordnung? Warum wird sie nicht angewandt?

Viele Fragen stelle ich mir. Ich habe selber lange geschlachtet, und kann daher beurteilen, wovon ich schreibe. Ich bin immer von sehr viel Respekt zum Landwirt gefahren, habe die Tiere sehr sorgfältig verladen. Später bei der Betäubung hatte ich oft Angst, weil ich einem Tier das Leben nehme, dass nur mit einem Seil gehalten wird. Hier durften keine Fehler passieren. Mir war immer klar, dass durch meine Arbeit ein Tier getötet wird. Diesen Respekt hatte ich immer, und ich besitze ihn auch noch. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass die Menschen in der Tötebox eines Schlachthofes nur monoton ihre Arbeit nachgehen – völlig ohne Emotionen und Gedanken. Hier kommt einfach der pure Druck der Stückzahl, das Tagespensum und das Geschreie der Vorgesetzten.

Noch etwas ist mir aufgefallen. Die „lieben Discounter, Supermärkte und Großabnehmer“ distanzieren sich nach so einem entsetzlichen Geschehen! Warum bitte sehr erst „nach dem andere (Tierschützer) es aufgedeckt haben? Weshalb schaut man nicht vorher – unangemeldet – wie es in dem Bereich der Schlachtung zugeht? Man lässt sich Hygienepläne, und tausend Formulare unterschreiben, aber der Faktor Mensch (Mitarbeiter, Werksarbeiter, Ausbildung, Weiterbildung…) wird nicht hinterfragt. Wenn dann diese Abnehmer die Vorgänge als „inakzeptabel“ propagieren, ist das aus meiner Sicht auch ein wenig „Heuchelei“. Vielleicht haben sie auch einen Blick auf diese Sachen gehabt und ich tue ihnen unrecht. Es passiert aber immer wieder, dass nach-einem-Vorfall-reagiert wird. Ich prüfe immer mal wieder meine Einkaufsquellen, ob die Herkunft und der Weg davor meinen Kriterien entsprechen.

Was mich auch immer stört, ist der gravierende Imageverlust der ganzen Branche. Der Verbraucher unterscheidet hier nicht so sehr, ob es Schlachtbetriebe, Konzerne oder handwerkliche Fleischer sind, die im Fokus der öffentlichen Meinung stehen. Die negative Schlagzeile und das Versagen einiger Menschen reichen aus, um über „die Schlachter“ eine feste Meinung zu haben. Die sinkenden Ausbildungszahlen und die sinkende Mitarbeiterzahl sprechen hierbei einen bundesweiten Trend. Es nutzt auch nichts, wenn wir alle Schlachthöfe schließen und unser Fleisch aus anderen Ländern beziehen. Wie sieht dort der Tierschutz aus? Unter welchen Bedingungen werden dort Mitarbeiter eingesetzt?

Was ist nun mein Fazit? Die Schließung findet ich gut und richtig. Wer so gravierend gegen das Gesetz verstößt, sollte die Konsequenzen spüren. Der Verdienstausfall und der Imageverlust werden das Unternehmen bestimmt „nachdenklich“ machen.  Für die Tiere ist die Qual dort erst einmal vorbei. Frage ist nur, ob die höheren Schlachtzahlen in benachbarten Schlachthöfen zu mehr Druck und damit zur Tierquälerei führen wird? Für alle Betroffene sollte nun der Dialog im Fokus stehen. Offenheit, Qualität an „Mensch und Tier“, Ehrlichkeit, Verantwortung, Weitsichtigkeit, Zuverlässlichkeit und Achtsamkeit vor dem Lebewesen sind markante Worte. Diese aber mit Inhalt ausfüllen, schafft wieder Vertrauen. Warum kann das in Oldenburg nicht zu einem Vorbild für andere Betriebe gelingen? Tierquälerei wird vom Kunden nicht akzeptiert! Handelt bitte! Jetzt! Wer hier seine gemachten Fehler erkennt, wird auch einen anderen Weg gehen können!

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Eine Reaktion zu “Schließung von Schlachthöfen: “Lasst den Worten Taten folgen!””

  1. Henning

    Teile eine ähnliche Meinung wie du, dass die negative Schlagzeilen und das Versagen vieler Menschen ausreichen, um sich ein Bild des „der Schlachter“ zu machen, ohne bestimmte Zahlen und Fakten. Auch ist es schade, dass die Ausbildungsraten fallen und Mitarbeiterzahl abnehmen und das Image nicht gut aussehen lassen.
    Liebe Grüße
    Henning.

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