So komme ich ins Gefängnis

Foto von Kreimer/ OV: Filmdreh in der Vollzugsanstalt: Peter Cardon (rechts) erklärt Ludger Freese und Anuschka Bacic seine Arbeit

„Leserbeirat macht Zeitung“ – unter diesem Motto wurde am Dienstag (07.November 2017) Zeitung gemacht. Ich bin bei meiner Lokalzeitung – der Oldenburgischen Volkszeitung – im Leserbeitrat tätig. Wir treffen uns vierteljährlich zu einem kritischen und konstruktiven Austausch mit der Redaktion. Wie nun Zeitung gemacht wird, und welche umfangreichen Aufgaben ein Journalist hat, dass durften wir vom Leserbeirat hautnah erleben, indem wir die Themen für die Ausgabe am 09.November bestimmen. Mit neun Personen gingen wir unterschiedliche Aufgaben an. Einige arbeiteten am Newsdesk, andere waren mit Reportern auf Tour, und ich war mit der Video-Redaktion auf Bilderfang.

Als Thema hatte ich einen Drehtag hinter den Gefängnismauern der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Vechta angeregt. Ich war noch nie in einem Gefängnis, und weil es in Vechta gleich zwei Anstalten gibt, wollten wir Bilder aus dem Inneren zeigen. Es war schon sehr spannend, bis wir hinter den dicken Mauern waren. Der Personalausweis wurde geprüft und alle Mobiltelefone mussten abgeben werden. Weiter gab es eine Belehrung wie wir uns verhalten müssen.

Wir wurden dann in einem verschlossenen Raum gebracht, bis wir von einer Begleitperson in die Anstalt geführt wurden. Schwere Schlüssel kamen an jeder Tür zum Einsatz. Von diesen Türen gab es unzählige… Im Vorgespräch erklärten uns zwei Mitarbeiterinnen aus der Verwaltung etwas über die JVA Vechta. Die Inhaftierten sind „Jungtäter“ zwischen 18 und 24 Jahre alt sind. Bis zu 330 Insassen sitzen dort überwiegend in Einzelzellen, die von 220 Mitarbeiter im einem dreischichtigen Dienst bewacht werden. Peter Chardon macht dort seine Ausbildung zum „Anwärter im Justizvollzugsdienst“. Er stand Rede und Antwort über seinen Beruf, seine Aufgaben und erklärte uns seine Arbeit. Anuschka Bacic ist die Crossmedia Expertin bei der OV in Vechta. Sie hat das Video produziert und mit sehr viel Fachwissen und Weitblick aufgenommen. Die Fragen hatten wir vorher gemeinsam ausgewählt.

Als wir die Aufnahmen im Haupthaus machten, waren mir sofort Bilder aus dem „Tatort“ präsent. Die Anstalt ist wirklich so wie man es aus dem Krimiserien kennt – in Kreuzform erbaut und mehrgeschossig. Vorbild war eine panoptische Bauweise eines Gefängnisses in Pennsylvania. Die Aufnahmen verliefen sehr professionell und mit einer einmaligen Ruhe von Anuschka. Sie wusste genau, was dem Betrachter des Videos interessiert und fing auch diese Bilder ein. Meine größte Anerkennung.

Nachdem wir alles im „Kasten hatten“ ging es wieder über die Besuchertür in die „Freiheit“. Beeindruckend so ein Aufenthalt hinter den Gitterstäben. In der Redaktion wurden dann die Bilder geschnitten, der Ton gerichtet, die Übergänge bestimmt und passende Musik gewählt. Diese Aufgabe erklärte mit Anuschka sehr anschaulich…ich bleibe aber lieber in der Küche. Wie beim Kochen werden aus den Zutaten (Bilder) und den Gewürzen (Ton) ein leckeres Gericht (Video). Nach etwa 90 Minuten wurde aufgetischt und das Gericht präsentiert. Klasse geworden, wir waren alle sehr zufrieden mit dem Video.

Später habe ich dann noch den Text für die Zeitung dazu geschrieben, damit die Leser/innen auch auf das Video aufmerksam werden. In den ersten Stunden wurde der Filmbeitrag schon über 6000mal angesehen.

Am Ende meines ungewöhnlichen Arbeitstages muss ich einfach meine Anerkennung den Zeitungsmachern aussprechen. Die fertige Zeitung ist das Ziel nach einem langen Tag und die Beiträge müssen sehr sorgfältig verfasst werden. Kompliment, wie das immer geschafft wird. Ich war jedenfalls geschafft, wie nach einem 16 Stunden Tag mit 700 Gästen am Buffet. Danke, dass ich mit dabei sein durfte.

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