Fleischermeister verzichtet auf Fleisch

Foto: Abstinenz schärft die Sinne

Die 40-tägige Fastenzeit liegt vor uns und viele Menschen setzen sich ein Ziel, auf was sie in dieser Zeit bewusst verzichten möchten. Ich hatte vor einigen Tagen ein Telefongespräch mit der Redaktion von „Kirche und Leben“, bei der es um Fastenziele ging. Ich hatte mich damit noch nicht viel beschäftigt und noch keine klaren Zielevorgaben mit mir vereinbart. Es gab Jahre, wo ich nichts gemacht habe, aber auch Jahre in dem ich bewusst auf Alkohol verzichtet habe. Spaßig ist es natürlich gemeint, wenn ich darauf verzichte, mit der U-Bahn zu fahren. (was ja in Visbek leicht möglich ist). Einige meiner persönlichen Ziele habe ich geschafft, andere sind schon nach wenigen Tagen gescheitert. Die innere Stimme sucht dann immer nach „Ausreden“ oder sagt mir. „Aber morgen wieder!“ Das ist eine reine Willenskraft, die besiegt werden muss. Schafft man es, ist man überglücklich. Beim Verzicht auf Alkohol wird man schon mal angesprochen. „Was ist los? Kein Bier, kein Wein?“ Nach einer kurzen Erklärung wenden sich einige kopfschüttelnd ab. Egal – es ist ja meine Entscheidung, die nicht jeden gefallen muss.

Was mache ich nun in diesem Jahr? Muss ich überhaupt fasten? Schaffe ich es durchzuhalten? Welche Veranstaltungen / Feiern stehen an, wo ich „Probleme“ mit meiner Entscheidung bekomme? Was ist ein wirklicher Verzicht für mich? Wie verhalte ich mich, wenn ich „schwach“ werde und mein Fasten breche?

Dies Fragen versuche ich für mich zu beantworten, denn ich möchte 40-Tage kein Fleisch essen! Wo sich bei uns 24 Stunden am Tag alles um Essen und Trinken dreht, ist so ein Entschluss für mich persönlich mutig. Mutig auch, weil ich ihn hier im Blog öffentlich mache und mir so eine Art freiwilligen Druck auferlege. Sie müssen sich das so vorstellen, dass beim Frühstück natürlich viel Wurst, Schinken, Fleischsalat und Salami auf dem Teller liegt. Und weiter so kurz vor 11 Uhr die ersten Schnitzeltests gemacht werden (Mittagstisch für Kunden), Frikadellen mal kurz probiert werden und das knackige Würstchen „das-da-so-rumliegt-nicht-mehr-lange“… Das Mittagessen mit eine fleischhaltigen Suppe und Fleischbeilage habe ich mir natürlich auch verdient…ist ja genügend da! Am Nachmittag so gegen 17 Uhr kommt der kleine Hunger wieder und die eine oder andere Wurstscheibe wird im Vorbeigehen in den Mund gesteckt…warum auch nicht. Ist ja lecker! Am Abend gehe ich dann oft in den „begehbaren Kühlschrank“ und sehe Steaks, Burger-Fleisch, Geflügel, Wurst, Vitello tonnato oder Spare Ribs…der Ofen ist nicht weit und schon ist die Portion (für einen ausgewachsenen Mann natürlich!) auf dem Teller.

Damit soll nun Schluss sein? Diese angenehmen Gewohnheiten? Ich bin doch Fleischermeister und kein Tofu-Fachhändler! Warum verzichte ich dann?

Zunächst möchte ich mir ganz allein „Willensstärke“ zeigen. Ich möchte mir beweisen, dass ich selber entscheide, was ich wann esse und wann ich es tue und nicht die Uhrzeit oder die Gewohnheit. Mir geht es nicht um die Pfunde, dich ich vielleicht verlieren werden. Ich möchte meine Sinne schärfen und stolz auf das erreichte Ziel sein. Durch meinen Verzicht auf Fleisch will ich außerdem meinen Geschmackssinn positiv verändern, denn nach einer Abstinenz werden die Sinnesorgane geschärft sein. Fleisch ist etwas sehr wertvolles und purer Genuss – das möchte ich nach dieser Zeit wieder deutlicher spüren.

„Fasten ist eines der stärksten Medikamente, die uns zur Verfügung steht!“, dass lass ich kürzlich in einem Magazin. Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein begrenzter Verzicht Freude auf genussvolles Essen macht. Auf diese Erfahrung freue ich mich.

Meine größten „Hindernisse“ die in diese Zeit fallen werden sein: der Verbandstag der Fleischer am kommenden Wochenende, der nächsten Kochkurs mit unseren Kunden, eine Messe in Hamburg und mein „Stresshunger“ wenn die Arbeit mich auffrisst. Wenn ihr mögt, gebe ich hier im Blog mal kurze Feedbacks, wie meine Fastenzeit verläuft.

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